Düsselwellis

Unsere Anthrazit

Carmen    Carmen    Carmen

Carmen, Diana und Soraya


Der Farbschlag "Anthrazit" ist bis heute ein seltener und nicht leicht erhältlicher Farbschlag, da es sich um eine recht junge Mutation handelt. Diese ist erstmalig 1998 bei dem Schauwellensittich-Züchter Jürgen Lenk aufgetreten und wurde von ihm in den Folgejahren systematisch und erfolgreich weiter gezüchtet. Leider verstarb Herr Lenk im Sommer 2011. Die meisten seiner Wellensittiche hat Gerd Bleicher, Vorsitzender des DSV, Berlin, übernommen. Herr Bleicher hatte zu diesem Zeitpunkt auch schon mit Zuchttieren, die er von Herrn Lenk früher erhalten hatte, erfolgreich weiter gezüchtet und die beiden Linien nun zusammen geführt.

Wie der Name schon sagt, ist ein Anthrazit-Wellensittich fast schwarz, also wesentlich dunkler als ein Grauer - beim Normalen mit der üblichen sehr kontrastreichen schwarz-weißen Wellenzeichnung. Auch seine Wangenflecken sind anthrazit-farben, ein sicheres Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Grauen (mit "silbernen" bzw. taubenblau scheinenden Wangenflecken) und dem eigenständigen Farbschlag "Schiefer" (mit violetten Wangenflecken, die gräulich überhaucht sind). Schiefer liegt von der Farbtiefe her zwischen Grau und Anthrazit.

Da der "Anthrazit"-Faktor der rezessiven Vererbungsregel unterliegt, ist nur der doppelfaktorige Anthrazit ein sichtbarer Anthrazit. Einfaktorige Anthrazit sind nur vom geübten Auge erkennbar, denn ihre violetten Wangenflecken sind dunkler als üblich, in gutem Licht erkennt man einen anthrazitfarbenen Überhauch über dem Violett. Außerdem wirkt der "Anthrazit"-Faktor beim Einfaktorigen wie ein weiterer Dunkelfaktor, d h. ein Hellblauer erscheint nahezu leuchtend dunkelblau, ein Violetter ist von extravaganter tiefer Leuchtkraft, und nicht selten erhält man bei schon dunkleren Eltern Mauve-farbene oder Mauve-Violette Einfaktorige mit einer sehr edlen Ausstrahlung.

Natürlich ist es Geschmackssache, einen solch dunklen, völlig unbunten Farbschlag zu favorisieren - uns hat er es beim ersten Mal sofort angetan, als wir ihn zum ersten Mal Ostern 2011 bei Gerd Bleicher live bewundern durften. Da Herr Bleicher sowohl Graue, Schiefer als auch Anthrazit im Bestand hat, konnten wir uns vor Ort die Farbnuancen und feinen Unterschiede prima veranschaulichen und erklären lassen. Wir hatten bei diesem Besuch unsere ersten TCB (u. a. Phönix) aussuchen dürfen. Wir signalisierten Interesse, irgendwann einmal von ihm Anthrazit-Wellensittiche erhalten zu wollen, wenn es ginge.
Später knüpften wir auch einen guten Kontakt zu der Zucht von Brigitte Michel, die ebenfalls im kleinen Rahmen schon erfolgreich und verantwortungsvoll Anthraziter nachgezüchtet hatte.
Im Sommer 2012 hatten wir das Glück, aus beiden Zuchten richtig gute, schöne und kerngesunde Anthrazit-Wellensittiche zu erhalten, drei Anthrazit-Hennen und zwei einfaktorige noch ganz junge Anthraziter (Marina und Raffael), außerdem einen zuchtreifen einfaktorigen Anthra-Hahn (Smarty). Im Herbst 2012 wurden die doppelfaktorigen Soraya, Diana und Carmen bereits zuchtreif.

Nach unserer Information besteht eine Schwierigkeit in der Züchtung neben der rezessiven Vererbung auch in seiner Empfindlichkeit, u. a. aufgrund der noch jungen Linienzucht. Nicht selten fallen auch weitaus weniger doppelfaktorige Anthrazit in einer Brut als statistisch "vorgesehen".
Die meisten verfügbaren Anthraziter sind große Standard-Wellensittiche, bei denen nicht selten nur wenige, mitunter gar keine Küken bzw. Anthraziter auf Anhieb nachgezogen werden können. Deshalb erscheint uns eine Auskreuzung mit normalen Farbschlägen ein guter Weg, um zunächst frisches Blut, Widerstandskraft und eine gute Fruchtbarkeit für spätere Bruten zu erzielen.
Unser ganz persönlicher Weg ist dabei ein experimentierfreudiger Ansatz, da wir nicht in erster Linie dem Ideal der Schauwellensittich-Zucht nacheifern. Auch wenn wir den Standardwellensittich an sich schön finden, so gefällt er uns nur in der "sportlichen" Variante richtig gut. Deshalb verpaaren wir unsere Standard-Wellensittiche untereinander oder auch mit kräftigen Halbstandards auf eine Weise, die dem Nachwuchs ein gesundes geschlossenes Gefieder im Gegensatz zu dem oft überzüchteten Buff-Gefieder beschert. Letzteres gibt dem Vogel zwar optisch mehr Stattlichkeit, jedoch birgt es auch langfristig ein erhebliches Gesundheitsrisiko bzgl. der Flugfähigkeit uvm.. Auch sollen unsere Düsselwellis mit ihren hübschen Köpfen immer gut aus den Augen gucken können und statürlich agil genug sein, um ihr Leben fliegend, kletternd und spielend immer lebhaft und neugierig genießen zu können.

Darüber hinaus wollen wir Anthrazit mit anderen Farbschlagsmerkmalen kombinieren, die uns persönlich als besonders attraktiv erscheinen. Die tief-dunkle Körperfarbe wird unserer Meinung nach besonders in der Kombination mit einer hellen Spangle-Zeichnung und/ oder mit der Zeichnung der australischen Scheckung besonders wirkungsvoll hervorgehoben und entsprechend edel aussehen.

Also setzten wir von den drei Anthrazit-Hennen zum einen Soraya und Carmen mit sehr agilen Standard-Wellensittichen zusammen, und zum anderen Diana mit Merlin, einem großartigen violetten Halbstandard Spangle AS aus einer unserer besten Linien, der bereits im letzten Jahr erfolgreich gezogen hatte.
Zwei dieser Bruten verliefen bilderbuchmäßig. Nur bei Carmen gab es leider nur zwei befruchtete Eier, doch beide schlüpften nicht, sondern starben weit entwickelt im Ei ab.
Merlin und Diana ziehen eine siebenköpfige großartige Kinderschar an dunkelblauen, violetten und mauve Normalen, Schecken, Australischen Schecken und Spangle-Schecken (natürlich alle einfaktorig Anthrazit) groß - alle charakterlich äußerst entspannt und zugänglich ((Merlin ist sehr zahm).
Soraya hat mit dem violetten Phönix-Sohn (Spalt TCB) sechs Küken, alle violett oder mauve und eine mauve TCB-Henne! Natürlich auch alle einfaktorig Anthrazit.

Abgesehen davon, dass diese Küken für sich genommen wunderschön, von kräftigster Färbung und schon sehr guter Statur sind, bedeuten sie für uns selbstverständlich eine großartige Ausgangsbasis für die nächste Zuchtsaison. Durch geschickte Verpaarung dürfen wir dann hoffentlich auf unsere ersten doppelfaktorigen Anthraziter, teilweise kombimiert mit Spangle und AS, hoffen. Auch TCB könnte mit Anthrazit kombiniert spannend sein, der Weg dahin ist aber noch etwas weiter... .

Übrigens entwickeln sich die Anthrazit-Babies in gewisser Weise anders oder langsamer als viele andere Farbschläge. Sie sind im Kükenalter wesentlich heller als sie es nach der Jugendmauser und im Laufe des ersten Lebensjahres werden. Auch legen sie erst spät an Größe zu. Wir haben selbst gestaunt, wie sich unsere ersten ein- und doppelfaktorigen Neuzugänge im Laufe der Monate im wahrsten Sinne des Wortes von teils recht unscheinbaren zierlichen Jungvögeln zu absolut stattlichen Standards entwickelten.


Nun noch zur Illustrierung einige schöne Fotos unserer ersten Nachzuchten einfaktoriger Anthraziter vom 22.12.12.


Brut von Soraya und Conte - ein Küken ist eine mauve TCB-Henne :) :

Soraya Nistkasten TCB - 1f Anthrazit


Brut von Diana und Merlin

Diana Diana Diana Diana Diana Diana Diana Diana

Und noch ein Einzelküken von Carmens allererster Brut mit Smarty, einem 1f Anthrazit, der leider während der Brut verstorben ist.

Smarty Smarty